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Laurent
auf dem CSD in Ravensburg |
Beim
Stichwort CSD denkt man nicht unbedingt an einen Ort wie Ravensburg, das in diesem
Jahr den CSD Südwest ausrichtete. Aber davon, dass man in kleinerem Rahmen
genauso viel Spaß haben kann wie auf den Großveranstaltungen, konnten
Sue und ich uns am 30. Juni überzeugen. Wie schon seinerzeit im Forum angedeutet,
hatten wir uns allerdings ausgerechnet diesen Tag auserkoren, um ein bisschen
Chaos zu pflegen, was für Euch zwar kaum von Belang ist, aber dazu führte,
dass wir leider zur Parade noch nicht vor Ort sein konnten. Immerhin trafen wir
aber bei strahlendstem Sonnenschein und sengender Hitze noch rechtzeitig vor Beginn
des Bühnenprogramms auf dem Festplatz in der Kuppelnau ein.
Unmittelbar nach den Begrüßungsansprachen stand Laurent auch schon zum ersten Mal auf der Bühne, um die sich die ZuschauerInnen in einem großen Halbkreis postiert hatten, so dass direkt davor alles frei war - ungewöhnlich, aber zum Fotografieren geradezu ideal. Der durch das Programm führende Radio-7-Moderator und bekennende Lindenstraßen-Fan Jürgen Balzer war überaus gut vorbereitet und kündigte Laurent - unter völliger Ignorierung der für die französische Sprache geltenden Ausspracheregeln - so an, als sei dieser immer noch als DJ Phil bei GZSZ in Amt und Würden. Erst Laurent klärte ihn auf, dass er bereits vor über einem Jahr aus der Serie ausgeschieden ist. Die Frage, ob er GZSZ wenigstens noch allabendlich auf dem Bildschirm verfolge, verneinte Laurent mit einem Hauch von Entsetzen.:-)
Ehe LD mit "Rhythm
at Midnight" - nach eigenen Aussagen ein Song aus seiner Ricky-Martin-Phase
- zum musikalischen Teil überging, wies er darauf hin, dass er auch ein
neues Stück im Gepäck habe, welches aber erst am Abend auf der Gala
im Bärengarten zu hören sein werde. Da im Galaprogramm lediglich die
Heumarkt-Story ausgewiesen war, war die unverhoffte Aussicht auf zusätzliche
Solo-Sangesdarbietungen natürlich eine freudige Überraschung. Auf
"Rhythm at Midnight" folgte das etwas ruhigere "Falling out of
Love", das er geschrieben hat, als gerade eine große Liebe zu Ende
ging (Anfang 2000). Und über seinen dritten und vorerst letzten Song ließ
uns Laurent schließlich wissen, dieser sei zustande gekommen, nachdem
sein früherer Produzent ihn darauf aufmerksam gemacht hatte, dass zwei
Wörter im Radio immer besonders gut ankommen: das eine sei "Radio",
das andere "Sunshine". Um auf Nummer Sicher zu gehen, habe er daraus
"Radio Sunshine" gemacht. (Genützt hat's ihm leider nichts, da
es bisher nicht veröffentlicht wurde.) Ehe Laurent diesen letzten Titel
anstimmte, bat er die Technik, einen der Monitore zu regulieren, weil er sich
zu leise höre. Später hinter der Bühne hörten wir dann Laurent
zu jemandem sagen, der Sound sei - um es hier mal in abgeschwächter Form
wiederzugeben - nicht optimal gewesen. Dies mag zwar Laurent so empfunden haben,
für die Zuhörer waren seine gesanglichen Qualitäten davon jedoch
völlig unbeeinträchtigt geblieben, so dass man auf jeden Fall von
einem gelungenen Auftritt sprechen kann. Selbst Sue, die eigentlich mehr auf
Hardrock steht und mit Laurents Musik nicht allzu viel am Hut hat, ließ
sich zu der Bemerkung hinreißen: "Der ist gar nicht so schlecht",
was aus ihrem Munde unbedingt als Kompliment zu werten ist.:-)
Bevor Laurent die Bühne verließ, erkundigte sich Moderator Jürgen, ob er auch Autogramme gebe. Autogrammkarten hatte Laurent zwar keine bei sich, aber zum Unterschreiben des einen oder anderen Bierdeckels erklärte er sich gerne bereit. Dass er keine Karten dabei haben würde, hatte ich mir schon gedacht und deshalb für ein paar bestellte Autogramme auf die Schnelle noch einige Farbausdrucke gemacht. Bei dieser Gelegenheit war mir aber auch "Dresden 11" wieder eingefallen - ein sehr schönes Foto im Posterformat, das ich im letzten Jahr nach Laurents Auftritt in Dresden von Laury bekommen habe, das aber seitdem ein Schattendasein in einer Papprolle fristet. Hätte ich allerdings geahnt, wie störrisch monatelang aufgerollte Fotos sein können, hätte ich wohl auch jetzt darauf verzichtet, es von Laurent unterschreiben zu lassen. Der Tatsache, dass Laurent beim Anblick des Bildes einen mittlerweile schon als "Klassiker" zu bezeichnenden Kommentar abgab, konnte ich - leicht angenervt, denn auch Rainy ist manchmal etwas eigen - in dem Augenblick ebenfalls nichts Komisches abgewinnen.
Zudem wirkte Laurent dort zwar nicht unfreundlich, doch seine ganze Haltung signalisierte völliges Desinteresse an den Leuten, die nach und nach auf ihn zu kamen, was ihm eine recht arrogante Aura verlieh. Von daher lässt sich die anschließend hier geäußerte Kritik eines Fans durchaus nachvollziehen. Aber - nur nicht aufregen - man kann das Ganze natürlich auch aus einem anderen Blickwinkel betrachten und es positiver formulieren: Als ehrlicher Widder verzichtete Laurent auf jegliche Bekundung vorgeheuchelten Interesses und gab in seiner offenen Art zu erkennen, dass seinerseits wenig Bedarf an einer Kommunikation mit für ihn mehr oder weniger wildfremden Menschen bestand. Nachdem ein paar Worte über die Performance zu "No limitation to love", die es leider in der Form in Ravensburg nicht zu sehen geben würde, gewechselt waren und der Auftrittszeitpunkt für einen am nächsten Tag in Frankfurt stattfindenden Gig geklärt war, um Euch diesen hier noch mitteilen zu können, zog ich es jedenfalls vor, Laurent in Ruhe zu lassen und meine Aufmerksamkeit dem weiteren Bühnenprogramm zu widmen.
Etwas später kam es zwar zu einem weiteren Gespräch mit ihm, wobei sich allerdings der Gesamteindruck, den er an diesem Nachmittag hinterließ, nicht änderte. Angesichts der Hiobsbotschaften, die dabei von ihm zu hören waren, geriet dies aber zur Nebensache. Als er erzählte, die Plattenfirma, die seine neue Single herausbringen wollte, sei im letzten Moment abgesprungen, habe ich mit Sicherheit noch einen Deut dämlicher aus der Wäsche geguckt als üblich. Im Laufe der Zeit hat man zwar einige Übung darin bekommen, gewisse Anzeichen richtig zu deuten, in diesem Fall waren sie jedoch bis dato so minimal gewesen, dass sie mir keinen Anlass zur ernsthafter Sorge geboten hatten. Dementsprechend war diese Nachricht nach all der Zeit des Wartens und Daumendrückens und der anschließenden Freude darüber, dass endlich eine neue Plattenfirma gefunden war, ein regelrechter Schock. Nach dem Stand seiner Verhandlungen mit der ARD befragt, konnte Laurent ebenfalls nur die unerfreuliche Mitteilung machen, dass diese im Sande verlaufen seien. Kann es da noch verwundern, dass Laurent abergläubisch ist, wenn es darum geht, über neue Projekte zu sprechen? Fazit: Es gab keinerlei gute Neuigkeiten, über die er hätte berichten können.
Anschließend
mischten Sue und ich uns wieder unter das Volk (und versuchten nebenbei mit
mäßigem Erfolg, Ordnung in ein noch vorhandenes Terminchaos zu bringen).
Auch Laurents blauer Cowboyhut blitzte hier und da zwischen den Zuschauern auf.
Er konnte sich unbehelligt auf dem Platz bewegen und sich anschauen, was andere
auf der Bühne zu bieten hatten. Er selbst stand im Rahmen des "Kölner
Blocks" etwa eine Dreiviertelstunde später wieder auf dem Plan. Hauptsächlich
gestaltet wurde dieser Programmpunkt jedoch von den anderen drei Mitgliedern
seiner Clique, als da wären: Kölns kultige Drag Queen Wanda Rumor,
Claus Vinçon aka "Käthe" aus der Lindenstraße und
der als Sänger nicht nur in der Kölner Szene sehr beliebte Stephan
Runge, LDs "First Believer". Hatten Stephan und Claus mit Kölns
heimlicher Hymne "Der geilste Arsch der Welt" die ohnehin gute Stimmung
im Publikum schon steigern können, so erreichte sie bei Wandas flotten
Sprüchen ihren Höhepunkt. Mit einem Auftauchen Laurents auf der Bühne
rechneten wir nach einer Weile allerdings nicht mehr, weil inzwischen schon
die als nächster und letzter Programmpunkt angekündigte Verlosung
begonnen hatte. Diese zog sich etwas in die Länge, was aber dank Wandas
aktiver Mitwirkung nicht allzu langweilig geriet.
Erst danach kamen doch noch einmal alle vier gemeinsam auf die Bühne und hatten noch einen echten Knaller zu bieten: "Gaylight in your eyes", die schwule Version des No-Angels-Chartbreakers "Daylight". Damit traten die vier selbsternannten "Pupstars" in die Fußstapfen des Düsseldorfer Duos "Village Angels", deren Parodie sich völlig unverhofft binnen kürzester Zeit zum Kultsong entwickelt hatte. Die meisten kennen es wahrscheinlich. Das Kölner Quartett hatte sich nun eigens für dieses Ereignis den Namen "No Devils" zugelegt, wies aber vorsichtshalber darauf hin, dass man dieses Stück bisher kaum geübt habe. In der Tat geriet Wandas Einsatz schaurig schief, und auch Stephan musste sich erst einsingen, bis der Ton saß, was aber sowohl auf als auch vor der Bühne eher Anlass zur Heiterkeit bot. Auf Laurents gesangliche Unterstützung mussten seine Mitstreiter hingegen weitestgehend verzichten, weil dessen Mikrofon kurzfristig den Geist aufgegeben hatte. Er nahm's gelassen, sang ab und an mal ein paar Töne bei Claus mit und durfte seine Solozeile am Ende des Liedes in Stephans Mikro hauchen. Dem Publikum war es egal, es war begeistert von dem Song. Außerdem kündigte Wanda anschließend an, dass sie dieses Stück abends noch einmal bringen würden - und dann hoffentlich auch mit der Stimme von Laurent Daniels.
Nach ein paar
abschließenden Worten der Organisatoren neigte sich dann der erste Teil
des Ravensburger CSDs dem Ende zu. Die Kölner Truppe machte sich auf den
Weg zum nächsten Veranstaltungsort. Auch der Festplatz leerte sich relativ
schnell, da es angesichts der großen Hitze wahrscheinlich viele unter
die heimische Dusche zog, um dann am Abend frisch gestylt auf einer der noch
stattfindenden Partys zu erscheinen. Wir blieben noch eine Weile, ruhten uns
aus und machten uns dann auf den Weg zur Abendgala in den "Bärengarten".
Da die Veranstaltung in einem geschlossenen Raum stattfand, hatte ich mich -
Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste - schon im Vorfeld beim Veranstalter
erkundigt, ob dort ohne Weiteres fotografiert werden dürfe, denn ohne Heumarkt-Story-Fotos
für die Homepage wollte ich auf gar keinen Fall nach Hause kommen. Wie
vereinbart, sprach ich das Thema beim Einlass noch einmal an, und nach kurzer
Rücksprache durften wir nicht nur vor dem offiziellen Einlass schon hineingehen,
um uns einen guten Platz vor der Bühne zu sichern, sondern man erließ
uns sogar für eine Person die Eintrittskosten. Dafür gilt Gerd Weber,
dem 1. Vorstand des CSD am See e. V., ein ganz besonderer Dank! Umso peinlicher
ist es allerdings, dass gerade diese Fotos völlig in die Hose gegangen
sind.:-((( Obwohl man einige der interessanten Verwacklungseffekte schon fast
als künstlerische Absicht verkaufen könnte... Soviel zum Thema "Ungelernte
Möchtegern-Meisterfotografin übt das Fotografieren ohne Blitz zwecks
Vermeidung des Rote-Augen-Effekts". Zum Chaos dieses Tages, das sich ab
jetzt wieder massiv in Erinnerung brachte, passte es allerdings wie die Faust
aufs Auge.
Mit etlicher Verspätung begann schließlich das Vorprogramm, das von der 16-köpfigen Steppformation "The Spirits" bestritten wurde, die auch am Nachmittag schon zu sehen gewesen war. Im Anschluss daran nahmen Wanda und Claus das Zepter wieder in die Hand - und Sue verließ mich, weil sie ihr Erscheinen noch an anderer Stelle fest zugesagt hatte und durch die eingetretenen Verzögerungen schon seit einiger Zeit wie auf heißen Kohlen saß. Dafür entschädigt wurde ich dann allerdings dadurch, dass Wanda kurze Zeit später den "Barry White aus Berlin", nämlich ihr "Ziehkind" Laurent ankündigte, der "No limitation to love" zwar im Vollplayback und - wie schon erwähnt - ohne seine TänzerInnen und die entsprechende Kostümierung präsentierte, aber sein Sex-Appeal dürfte auch ohne die Show dazu geführt haben, dass einige anwesende Männerherzen etwas höher schlugen. Nach diesem Song gab Laurent erst einmal die Bühne frei für Stephan, um im Anschluss daran dann noch einmal seine Livesangeskunst unter Beweis zu stellen.
Zunächst
ließ Laurent mit "Rhythm at midnight" seine Ricky-Martin-Phase
noch einmal aufleben. Als nächster Titel sollte "Show me" folgen.
Ob Laurent sich in Gedanken noch nicht von Ricky Martin losreißen konnte
oder die Hitze ihm etwas zusetzte, lässt sich nicht sagen - jedenfalls
musste er feststellen, dass ihm der Text komplett entfallen war. Ihm war die
Situation zwar etwas unangenehm, aber sowas kann passieren, und als Laurent
dann die Technik bat, als Ersatz "No angels" einzuspielen, war meine
Freude groß, denn diesen Song mag ich ja bekanntlich ganz besonders. But
those demons were still haunting him ... und hatten auch diesen Text aus seinem
Gedächtnis verbannt. Oops! Wer LD als Sänger kennt und schätzt,
hakt derartige Vorfälle unter "Kleine Tücken des Alltags"
ab (oder versucht, der Sache mit dem Gedanken "Wenn er so weitermacht,
muss er am Ende gar noch 'Don't give up' aus der Schublade holen" eine
positive Seite abzugewinnen*g*). Bei anderen dagegen lässt es sich nicht
ganz ausschließen, dass ein negativer Eindruck zurückbleibt. Somit
ist es nur allzu verständlich, dass Laurent seine momentane Unpässlichkeit
jetzt ausgesprochen peinlich war. Er beschloss, sodann auf Nummer Sicher zu
gehen und mit "Crazy love" einen Titel zu singen, dessen Text er mit
Sicherheit könne. Die kleine "Drohung" der Technik, dies sei
aber der letzte Versuch, tat ihr Übriges: Der Bann war gebrochen, und alles
lief wieder wie am Schnürchen. Bei dem darauf folgenden und leider schon
letzten Song "Don't you worry mama"- dessen Text er auch sicher beherrsche,
da er ihn für seine Mama geschrieben habe - lief Laurent dann noch einmal
zu absoluter Höchstform auf. In einfachen Worten ausgedrückt, aber
zutreffend: Es klang wirklich wunderschön! Dennoch verließ Laurent
anschließend in Windeseile die Bühne, wobei es ihm deutlich anzusehen
war, wie sehr er sich über sich selbst ärgerte.
Nun waren Wanda und Claus wieder an der Reihe - Wanda übrigens mit einem Song, den wir auch von Laurent schon kennen: "You've got a friend" -, und als im Anschluss daran die "No Devils" noch einmal mit "Gaylight" ihren großen Auftritt hatten, hatte sich Laurent wieder gefangen. Auch Wandas Einsatz kam diesmal nicht schräg - sondern überhaupt nicht.:-) Nach Abbruch und Neustart verlief der zweite Anlauf schließlich reibungslos, und auf Laurents Stimme brauchten wir diesmal ebenfalls nicht zu verzichten. Es folgte dann noch ein Lied, an das ich mich nicht mehr so recht erinnern kann, weil ein Blick auf die Uhr mir sagte, dass ich "dank" der Verschiebungen im Zeitplan und der nun folgenden angekündigten Pause die Heumarkt-Story wohl würde abschreiben müssen.
Doch ich hatte vergessen, dass an diesem Tag das Chaos regierte - und so war ich nach der Pause immer noch da und kam daher doch noch in den Genuss der Heumarkt-Story - und das war auch gut so (somit sei dieser nicht nur in Ravensburg viel zitierte Satz hier auch einmal untergebracht), denn diese ungeheuer witzige und unterhaltsame 20-minütige schwule Version der Westside Story kann man guten Gewissens als Höhepunkt des Abends bezeichnen. Entsprechend begeistert fiel auch die Reaktion des Publikums aus. Näheres zum Inhalt und Bilder (Letztere allerdings aus gegebenem Anlass nicht aus Ravensburg, sondern aus Saarbrücken) findet Ihr in Kürze in der Rubrik "Schauspielkünste". Damit ging dann auch diese Veranstaltung zu Ende, aber auf die meisten Anwesenden wartete noch eine lange Partynacht - und auf Sue und Rainy ein bisschen Chaos.:-)