In der Januar-Ausgabe von "Männer aktuell" präsentierte sich Laurent hüllenlos, womit ich eigentlich schon seit Jahren gerechnet habe. Aber auch ein Interview fehlt nicht, aus dem ich nachfolgend das Wichtigste zusammenfasse:
Mancher mag sich nach der Info im offiziellen Gästebuch gefragt haben, was Laurent eigentlich in Wien gemacht hat. Des Rätsels Lösung ist gefunden: Dort sind die Fotos für das Magazin entstanden - und zwar vor der Kamera des Österreichers Andreas Bitesnich, der zu den besten Erotikfotografen der Welt zählt. Wenn man seine Bilder sieht, weiß man auch, warum! Doch auch sein Motiv - durch noch regelmäßigeres Fitnesstraining inzwischen so gestählt, dass sich dem Redakteur der Zeitschrift spontan der Vergleich mit einer Bronzestatue aufdrängt - ist perfekt.
Anfangs sei er etwas verschämt gewesen, gesteht Laurent im Interview, was er aber angesichts des überaus professionellen Teams irgendwann einfach vergessen habe. Es sei eigentlich das erste Mal gewesen, dass er sich vor einer Kamera ganz ausgezogen habe, berichtet er und verrät am Beispiel der GT-Szene (die geneigten ZuschauerInnen werden sich mit Sicherheit daran erinnern), in der er von hinten nackt zu sehen war, mit welchen, bei einem Fotoshooting natürlich nicht anwendbaren Tricks in derartigen TV-Szenen normalerweise die vorderseitigen edlen Teile im Verborgenen gehalten werden: "Ich habe mir dazu ein kleines fleischfarbenes Säckchen umgebunden", erzählt er lachend und erläutert: "Ich habe mir aus einer fleischfarbenen Damenstrumpfhose einen kleinen Mini-Beutel gebastelt und mit Heftpflaster angeklebt." Schick!
Auch die geplatzten Großstadtträume kommen zur Sprache, so dass wir auf diese Weise endlich einmal Laurents Sichtweise der Dinge erfahren. Damit, dass die Serie in diesem Maße floppen und noch vor Ablauf der vertraglich vereinbarten 26-Folgen-Staffel abgesetzt würde, hatte er natürlich nicht gerechnet. Als Gründe sieht er Fehlkalkulationen beim Sender und bei der Produktionsfirma: "Einerseits hatten sie das GZSZ-Publikum - junge Zuschauer - eingeplant, andererseits fehlten die hübschen Jungs, wenn ich mal von meiner schwulen Rolle absehe. Kein attraktiver junger Mann als Schmachtpotenzial für ein junges weibliches Publikum in Sicht. Und keine weibliche Identifikationsfigur. Das richtige Powergirlie war erst ab Folge 10 vorgesehen." Außerdem waren seiner Ansicht nach die Storys "zu unentschieden". Das lässt sich in der Tat nicht leugnen und war m. E. auch ein Grund, warum's mit den älteren Zuschauern ebenfalls nicht klappen wollte. Außerdem hat man meiner Ansicht nach ausgerechnet in den ersten beiden, für die Zuschauergewinnung so wichtigen Folgen den Fehler gemacht, viel zu tief in die Soapklischeekiste zu greifen. Das dürfte so einige noch nicht durch GZSZ abgehärtete Neuzuschauer schlichtweg abgeschreckt haben. Tja, zu dem Thema ließe sich natürlich noch einiges sagen, ist aber müßig, denn vorbei ist nun einmal vorbei. Trotzdem würde ich mir wünschen, dass RTL irgendwann einmal einen "Pausenfüller" braucht und GT nochmals aus der Schublade holt - einschließlich Laurents zehbrecherischer Aktivitäten in der letzten Folge.
Dass man nach einem solchen Rückschlag in gewisser Weise in ein Loch fällt, kennt wohl jeder. Dieses Gefühl stellte sich verständlicherweise auch bei Laurent ein, nämlich als nach Zehheilung, Popkomm, Party-Time in Köln und Ibiza-Urlaub etwas Ruhe eintrat. Den notwendigen Halt fand er in diesem Moment in der Musik und einer glücklichen Beziehung.
Außerdem wäre Laurent nicht Laurent, wenn er sich so schnell unterkriegen ließe, schließlich hat er, wie wir ja wissen, noch viel vor. Künftig sollen nämlich auch die hinter die Kamera führenden Funktionen des Multitalents, wie z. B. Regie und Skript, mehr zum Zuge kommen, obwohl sich Laurent im Moment noch besonders auf die Schauspielerei konzentriert, weil er den durch GZSZ erworbenen Marktwert nicht verschenken will. Zwar berichtet er, dass es genug Angebote gebe, dennoch stößt er bei Casting-Gesprächen zuweilen auch auf Vorurteile. Während er zu GZSZ-Zeiten immer als Schauspieler behandelt wurde, taucht jetzt beispielsweise die Frage nach einer Ausbildung auf, obwohl seine bereits vor GZSZ gesammelte jahrelange Theatererfahrung eigentlich für sich sprechen sollte. Darüber hinaus bemängelt er das altbekannte Problem, "dass die TV-Macher oft keine Ahnung haben, wie liberal und entspannt ihr Publikum mittlerweile mit dem Thema Schwulsein umgeht", während Laurent selbst anhand der Reaktionen der Kids auf GZSZ die Erfahrung gemacht hat, dass diese viel weiter sind, als man ihnen zutraut.
Im Hinblick auf künftige schauspielerische Aufgaben ist es Laurent, der am liebsten einmal mit "Lola rennt"-Regisseur Tom Tykwer drehen würde, besonders wichtig, nicht auf das schwule Rollenklischee festgelegt zu werden, sondern jetzt andere Seiten seines Könnens zu präsentieren, z. B. in einer Kriminellen- oder einer extremen Machorolle (während der MA-Redakteur ihn vom Fleck weg für "Gladiator - Teil II" engagieren würde, hätte ich da ja noch einen satanischen Wunsch...). Gerade die Besetzung einer Machorolle mit einem schwulen Schauspieler sieht Laurent sogar als Vorteil: "Man hat einen anderen Blick auf heterosexuelle Verhaltensweisen, die man dann sehr präzise umsetzen kann. Ein schwuler Mann kann bestimmte männliche heterosexuelle Eitelkeiten deutlicher entlarven und demzufolge auch portraitieren." Klingt logisch. Wer Laurent schon einmal in anderen Rollen gesehen hat, wird sowieso kaum Zweifel daran hegen, dass er einen Macho, Herzensbrecher, Massenmörder, Psychopathen, Satansjünger usw. ebenso überzeugend verkörpern kann wie einst unseren sympathischen Seelsorger der Nation. Das dürften auch die TV-Verantwortlichen schnell feststellen.
"Und bis die richtige Rolle vorbeikommt", so Laurent abschließend, "habe ich ja immer noch meine große Liebe: die Musik." Hoffen wir, dass wir diese auch weiterhin mit ihm teilen dürfen und dass das Jahr 2001 ihm beruflich endlich das bringt, was das Jahr 2000 ursprünglich versprochen, aber leider nicht gehalten hat.
(Quelle: männer aktuell 01/2001, Bruno Gmünder Verlag, Berlin 2000, 31.)