Die Saure-Gurken-Zeit ist vorbei und Laurent schickt sich - vereinzelten Unkenrufen zum Trotz - an, wieder auf der Bildfläche zu erscheinen. Anlass zum Gratulieren gibt es auch, denn er wurde von den Lesern der Zeitschrift ADAM zum Gaystar 2000 gekürt. Wie seine Zukunftspläne aussehen und was er sonst noch zu erzählen hatte, erfahrt Ihr in der folgenden Zusammenfassung aus dem in der Mai-Ausgabe von ADAM veröffentlichten Gespräch mit Redakteur Hermann J. Huber:
Was
uns wohl am brennendsten interessiert, sind natürlich Laurents aktuelle Pläne:
Dass es ihm inzwischen gelungen ist, einen neuen Plattenvertrag an Land zu ziehen,
der anscheinend die Veröffentlichung von zwei Singles umfasst, und wir auf eine
Scheibe nicht mehr allzu lange warten müssen, haben wir ja bereits erfahren.
Wie Laurent zusätzlich erläutert, handelt es sich bei "No limitation to love"
um eine in Aufmachung und Marketing stark auf die Szene hin produzierte Dance-Nummer.
Auch schauspielerisch hat sich in der Zwischenzeit etwas getan, denn diesmal spricht Laurent nicht nur vage von Verhandlungen über neue Film- und Fernsehprojekte, sondern nennt sogar schon konkret den Sommer als wahrscheinlichen Drehbeginn. Worum es sich im Einzelnen handelt und ob es mit einer Rolle als Bösewicht (oder gar als Inbegriff des Bösen) geklappt hat, die ihn nach wie vor mehr reizen würde als mitunter recht langweilige Heldenrollen, verrät er allerdings noch nicht. (Man kann jedoch davon ausgehen, dass er künftig zu denjenigen gehört, die in der ersten Reihe sitzen.)
Diese Entwicklungen lassen darauf schließen, dass es für Laurent ein heißer Sommer werden könnte, in dem es wie zu GZSZ-Zeiten gilt, Musik und Schauspielerei unter einen Hut zu bringen. Außerdem kann man nie wissen, welche seiner diversen Talente (jetzt wird sich möglicherweise wieder jemand fragen, welche Talente damit wohl gemeint sein könnten - tja, nimm's als kleine Denksportaufgabe, das hält den Geist fit) Laurent in der nächsten Zeit noch zum Einsatz zu bringen gedenkt, denn: "Wenn ich etwas ausprobiert habe, muss ich schon weiter zum nächsten Kilometerstein, um das Maximum aus mir herauszuholen." Allerdings hat er festgestellt, dass es hierzulande nicht ganz leicht ist, auf mehreren Gebieten tätig zu sein, weil die Deutschen häufig dazu neigen, derartige Aktivitäten misstrauisch zu beäugen, und Vielseitigkeit zum Teil sogar als "unseriös" betrachten. Als einer der vielfach pauschal verurteilten "singenden Soapstars" dürfte er in dieser Hinsicht bereits einschlägige Erfahrungen gemacht haben, wobei es aber m. E. in dieser Gruppe durchaus Fälle gibt, die für diese Zweifler eine Bestätigung darstellen. Selbst Laurent gibt zu, sich über Soapstars zu ärgern, die trotz mangelnder Fähigkeiten versuchen, eine Sangeskarriere zu starten. "Aber wir leben halt in einer Zeit, in der ‚GZSZ'-Rollen per Preisausschreiben zu gewinnen sind und ein Zlatko die Hitparaden stürmt", resümiert er. (Nun, zumindest für Letzteren scheint es sich nach dem Grand-Prix-Debakel ausgestürmt zu haben.) Doch selbst wenn die notwendigen Voraussetzungen gegeben sind, kann Laurent nicht leugnen, dass es etwas problematisch ist, eine Soap- mit einer Musikerlaufbahn zu verbinden, weil es sich jeweils bei beiden eigentlich um Vollzeitjobs handelt. So bedauert er noch heute, dass für die Promotion seines Albums "All said and done" damals nicht mehr Zeit zur Verfügung stand.
Nicht nur beruflich, sondern auch privat liebt Laurent die Verwandlung, was in den vergangenen Jahren unschwer zu erkennen war. Mit neuen Outfits, neuen Haarfarben und -längen versucht er, "sich immer wieder neu zu erfinden". Auch als Drag Queen ist Laurent bereits unterwegs gewesen. "Nur wer sich verändert, bleibt sich treu", lautet seine Devise. Breit gefächert ist auch sein Musikgeschmack. Neben Dauerfavoritin Madonna können ihn zurzeit a-ha, All Saints, Sugababes, Kylie Minogue und Simon Collins - übrigens sein letztjähriger Konkurrent und Gewinner beim New-Faces-Award der BUNTEN -, besonders begeistern.
Die Musik ist also auch ein sehr wichtiger Bestandteil seines Privatlebens. Die damals fehlende musikalische Untermalung wird allerdings nicht der Hauptgrund dafür gewesen sein, dass Laurents erster Sex nicht zu seinen größten Erfolgserlebnissen zählt. Darüber breitet er jedoch schnell das Mäntelchen des Vergessens aus und widmet sich lieber seinem derzeitigen Freund. Heiraten, wie es Philip in GZSZ getan hat, käme für ihn persönlich allerdings nicht in Frage. Wenn er sich auch nicht gerade als Schwulenaktivist bezeichnet, so teilt Laurent aber ganz klar die Auffassung, dass schwule und lesbische Paare rechtlich völlig gleichgestellt werden sollten. Was übrigens nicht nur Laurent erstaunt, ist die Tatsache, dass er im Laufe der dreieinhalb Jahre, in denen er als Schwuler in GZSZ/GT eine Art Vorbildfunktion eingenommen hat, insgesamt nur etwa 20 Briefe aus Schwulenszene bekommen hat (von Mädchen habe er allein monatlich zwei- bis dreimal soviel Post erhalten).
Abschließend bleibt dem Redakteur noch die Frage, wo Laurent mit 50 stehen wird (und mir die Frage, welches Jahr wir schreiben werden, wenn er mit 50 irgendwo steht). Der Balkon eines Penthouses im Central Park oder in Venice Beach käme Laurents Vorstellungen sehr entgegen. Tatsächlich hofft er natürlich, sich bis dahin einen guten Platz als Schauspieler und Filmregisseur erkämpft zu haben. Wie wohl den meisten SchauspielerInnen spukt auch Laurent nicht nur wegen des sonnigeren Wetters der Traum von Hollywood immer mal wieder durch den Kopf, allerdings ist die Konkurrenz dort so unüberschaubar, dass es sehr, sehr lange dauern kann, dort überhaupt Fuß zu fassen. Deshalb bleibt Laurent erst einmal hier und greift in Deutschland wieder richtig an! Nur zu!
P. S. Fast hätte ich's vergessen (na ja, eigentlich nicht wirklich, nur fiel mir oben an keiner Stelle eine einigermaßen passende Überleitung ein): Aufgrund einer Information der BRAVO (sollte diese tatsächlich in einem lichten Moment irgendwann einmal über LD berichtet haben?) wird Laurent auf seine Mal- und Kochkünste angesprochen. Dass er auch malt, dürfte den meisten hier bekannt sein, dass er dabei den poppig-knalligen Comicstil bevorzugt, vielleicht nicht allen. Auch seine Kochleidenschaft ist kein Geheimnis, wobei er an dieser Stelle noch verrät, dass er sich zuweilen mit einem befreundeten 3-Sterne-Koch wahre Küchengefechte liefert und sich als berufliche Alternative sogar das Konditorhandwerk hätte vorstellen können. Aber besonders seine Bemerkung "Süßspeisen können bei mir zur Obsession werden" lässt mich schmunzeln, ruft sie doch die Erinnerung an einen vertrauten Rollencharakter wach, in den Laurent diese Leidenschaft offensichtlich hineinprojiziert hat.
(Das vollständige Interview findet Ihr in: ADAM, Nr. 202, Foerstermedia, Offenbach 2001, 28-30.)