Laurent
im Gespräch mit Ulf Lippitz von der "Siegessäule"
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2002 www.laurent-daniels.de
Wahrscheinlich ist Sex zu wichtig für mich!
Ex-Soap-Sternchen Laurent Daniels erzählt im Interview von guten und schlechten Zeiten
Laurent Daniels spielte die erste schwule Hauptrolle in der RTL-Soap Gute Zeiten, Schlechte Zeiten. Seine Mattscheibenpräsenz brachte dem gelernten Bühnenbildner einen Plattenvertrag ein. Wenig später stieg er bei GZSZ aus. Neuer Karriereschub sollte Großstadtträume sein. Aber nach wenigen Folgen flog die Serie aus dem Programm wegen geringer Einschaltquoten. Dumm gelaufen. Doch so schnell gibt Laurent nicht auf. Jetzt widmet sich der 37-Jährige wieder seiner zweiten Leidenschaft: der Musik. Und bringt auf eigene Kosten seine CD In Progress eine Sammlung von sechs Liedern und fünf Remixen auf den Markt.
Vor drei
Jahren war es unmöglich, dich als schwulen Künstler zu verkaufen.
Warum?
Damals
war ich RTL-Eigentum und unterstand deren Informationspolitik. Man
wollte keine falsche heterosexuelle Fassade aufbauen, aber auch kein Image,
mit dem ich nur für ein schwules Publikum interessant gewesen wäre.
Also wurde der Homoaspekt ausgeklammert. Der Plattenfirma war es damals wichtig,
außerhalb der Serie für die weibliche Fangemeinde eine Projektionsfläche
zu schaffen.
Nach
Großstadtträume gab es keine Rollenangebote. Dein Plattenvertrag
wurde letztes Jahr gekündigt. Wovon lebst du eigentlich?
Zum
einen: Es gab Rollenangebote! Aber nur für schwule Klischeefiguren. Die
habe ich abgelehnt! Zum anderen: Ich habe mir ein finanzielles Pölsterchen
aus meiner Serienzeit erhalten. Außerdem habe ich Auftritte als Sänger
und arbeite gelegentlich als Bühnenbildner. Beispielsweise habe ich für
die letzten drei Programme von Gayle Tufts die Sets entworfen.
Zur Wahl
des Mr. Gay Berlin 2002 standest du ausgerechnet neben dem Big-Brother-nominierten
Christian auf der Bühne ...
Das
ist nur noch unmerklich von dem Gefühl entfernt, dass Roberto Blanco haben
muss, wenn er bei der nächsten Kaffeefahrt auf die Bühne klettert.
Da frage ich mich auch: Wars das jetzt? Zum Glück habe ich genug
andere Sachen gemacht, um zu wissen, was ich kann.
Auf der
CD In Progress sind Lieder, die von Plattenfirmen abgelehnt wurden.
Begründung?
Die
ganze Veröffentlichungsstrategie meiner Platten war stark an meine TV-Präsenz
gebunden. Du kannst jemanden, der täglich auf dem Bildschirm ist, natürlich
ganz anders bewerben. Wenn ich heute ein Demo einreiche, ist meine Position
nicht so exklusiv. Da konkurriere ich mit Milchreisbubis, die mehr Marketingpotenzial
haben als ich.
Der Platte
mangelt es an musikalischen Visionen: Teeniepop von jemandem, der nicht mehr
teenietauglich ist.
So
sehe ich das nicht. Ich habe nie Musik für eine bestimmte Altersgruppe
gemacht. Ich mache die Musik, die mir gefällt. Natürlich wäre
es schön, wenn ich mir einen Topproduzenten leisten könnte, der dann
so lange rumschraubt, bis es nach der letzten Madonna-Single klingt. Ist im
Moment aber nicht drin.
Apropos
drin: Wie wichtig ist Sex für dich?
Wahrscheinlich
zu wichtig. Manchmal denke ich: Wenn ich einen weniger obsessiven Sexualtrieb
hätte, könnte ich heute mit meiner Karriere ganz woanders sein. Rückblickend
muss ich gestehen, dass mich bestimmte Abenteuer schon davon abgehalten haben,
dass zu tun, was karrierefördernd gewesen wäre.
Wo siehst
du dich in ein paar Jahren?
Ich
weiß nicht, ob es mittelfristig die Schauspielerei ist. Wird wohl länger
dauern, den Soapstempel loszuwerden. Musik wird mich in naher Zukunft wohl auch
nicht ernähren. Also verlege ich mich auf die Jobs hinter der Kamera wie
Regie, Drehbücherschreiben oder eben dem Entwerfen von Bühnenbildern.
* Das Interview
führte Ulf Lippitz
* In Progress (Honx Music/Connected)