Laurent im Gespräch mit Ulf Lippitz von der "Siegessäule"
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„Wahrscheinlich ist Sex zu wichtig für mich!“

Ex-Soap-Sternchen Laurent Daniels erzählt im Interview von guten und schlechten Zeiten

Laurent Daniels spielte die erste schwule Hauptrolle in der RTL-Soap „Gute Zeiten, Schlechte Zeiten“. Seine Mattscheibenpräsenz brachte dem gelernten Bühnenbildner einen Plattenvertrag ein. Wenig später stieg er bei GZSZ aus. Neuer Karriereschub sollte „Großstadtträume“ sein. Aber nach wenigen Folgen flog die Serie aus dem Programm – wegen geringer Einschaltquoten. Dumm gelaufen. Doch so schnell gibt Laurent nicht auf. Jetzt widmet sich der 37-Jährige wieder seiner zweiten Leidenschaft: der Musik. Und bringt auf eigene Kosten seine CD „In Progress“ – eine Sammlung von sechs Liedern und fünf Remixen – auf den Markt.

Vor drei Jahren war es unmöglich, dich als schwulen Künstler zu verkaufen. Warum?
Damals war ich RTL-„Eigentum“ und unterstand deren Informationspolitik. Man wollte keine falsche heterosexuelle Fassade aufbauen, aber auch kein Image, mit dem ich nur für ein schwules Publikum interessant gewesen wäre. Also wurde der Homoaspekt ausgeklammert. Der Plattenfirma war es damals wichtig, außerhalb der Serie für die weibliche Fangemeinde eine Projektionsfläche zu schaffen.

Nach „Großstadtträume“ gab es keine Rollenangebote. Dein Plattenvertrag wurde letztes Jahr gekündigt. Wovon lebst du eigentlich?
Zum einen: Es gab Rollenangebote! Aber nur für schwule Klischeefiguren. Die habe ich abgelehnt! Zum anderen: Ich habe mir ein finanzielles Pölsterchen aus meiner Serienzeit erhalten. Außerdem habe ich Auftritte als Sänger und arbeite gelegentlich als Bühnenbildner. Beispielsweise habe ich für die letzten drei Programme von Gayle Tufts die Sets entworfen.

Zur Wahl des „Mr. Gay Berlin 2002“ standest du ausgerechnet neben dem „Big-Brother“-nominierten Christian auf der Bühne ...
Das ist nur noch unmerklich von dem Gefühl entfernt, dass Roberto Blanco haben muss, wenn er bei der nächsten Kaffeefahrt auf die Bühne klettert. Da frage ich mich auch: War’s das jetzt? Zum Glück habe ich genug andere Sachen gemacht, um zu wissen, was ich kann.

Auf der CD „In Progress“ sind Lieder, die von Plattenfirmen abgelehnt wurden. Begründung?
Die ganze Veröffentlichungsstrategie meiner Platten war stark an meine TV-Präsenz gebunden. Du kannst jemanden, der täglich auf dem Bildschirm ist, natürlich ganz anders bewerben. Wenn ich heute ein Demo einreiche, ist meine Position nicht so exklusiv. Da konkurriere ich mit Milchreisbubis, die mehr Marketingpotenzial haben als ich.

Der Platte mangelt es an musikalischen Visionen: Teeniepop von jemandem, der nicht mehr teenietauglich ist.
So sehe ich das nicht. Ich habe nie Musik für eine bestimmte Altersgruppe gemacht. Ich mache die Musik, die mir gefällt. Natürlich wäre es schön, wenn ich mir einen Topproduzenten leisten könnte, der dann so lange rumschraubt, bis es nach der letzten Madonna-Single klingt. Ist im Moment aber nicht drin.

Apropos drin: Wie wichtig ist Sex für dich?
Wahrscheinlich zu wichtig. Manchmal denke ich: Wenn ich einen weniger obsessiven Sexualtrieb hätte, könnte ich heute mit meiner Karriere ganz woanders sein. Rückblickend muss ich gestehen, dass mich bestimmte Abenteuer schon davon abgehalten haben, dass zu tun, was karrierefördernd gewesen wäre.

Wo siehst du dich in ein paar Jahren?
Ich weiß nicht, ob es mittelfristig die Schauspielerei ist. Wird wohl länger dauern, den Soapstempel loszuwerden. Musik wird mich in naher Zukunft wohl auch nicht ernähren. Also verlege ich mich auf die Jobs hinter der Kamera wie Regie, Drehbücherschreiben oder eben dem Entwerfen von Bühnenbildern.

* Das Interview führte Ulf Lippitz
* „In Progress“ (Honx Music/Connected)

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