Laurent
im Gespräch mit Ulf Lippitz von der "Siegessäule"
August 2002
© 2002
Siegessäule
Während seiner Zeit bei GZSZ stand Laurent als Interviewpartner ganz oben auf der Wunschliste von Berlins schwullesbischem Stadtmagazin. Damals hat es - wohl aus den Gründen, die im nachfolgenden Gespräch nochmals dargelegt werden - nicht sollen sein. Doch die Maulkorb-Zeiten sind längst vorbei, und so findet sich in der August-Ausgabe der "Siegessäule" nun ein Interview mit LD, das mir freundlicherweise zum Abdruck zur Verfügung gestellt wurde:
Vor drei
Jahren war es unmöglich, dich als schwulen Künstler zu verkaufen.
Warum?
Damals
war ich RTL-Eigentum und unterstand deren Informationspolitik. Man
wollte keine falsche heterosexuelle Fassade aufbauen, aber auch kein Image,
mit dem ich nur für ein schwules Publikum interessant gewesen wäre.
Also wurde der Homoaspekt ausgeklammert. Der Plattenfirma war es damals wichtig,
außerhalb der Serie für die weibliche Fangemeinde eine Projektionsfläche
zu schaffen.
Nach
Großstadtträume gab es keine Rollenangebote. Dein Plattenvertrag
wurde letztes Jahr gekündigt. Wovon lebst du eigentlich?
Zum
einen: Es gab Rollenangebote! Aber nur für schwule Klischeefiguren. Die
habe ich abgelehnt! Zum anderen: Ich habe mir ein finanzielles Pölsterchen
aus meiner Serienzeit erhalten. Außerdem habe ich Auftritte als Sänger
und arbeite gelegentlich als Bühnenbildner. Beispielsweise habe ich für
die letzten drei Programme von Gayle Tufts die Sets entworfen.
Zur Wahl
des Mr. Gay Berlin 2002 standest du ausgerechnet neben dem Big-Brother-nominierten
Christian auf der Bühne ...
Das
ist nur noch unmerklich von dem Gefühl entfernt, dass Roberto Blanco haben
muss, wenn er bei der nächsten Kaffeefahrt auf die Bühne klettert.
Da frage ich mich auch: Wars das jetzt? Zum Glück habe ich genug
andere Sachen gemacht, um zu wissen, was ich kann.
Auf der
CD In Progress sind Lieder, die von Plattenfirmen abgelehnt wurden.
Begründung?
Die
ganze Veröffentlichungsstrategie meiner Platten war stark an meine TV-Präsenz
gebunden. Du kannst jemanden, der täglich auf dem Bildschirm ist, natürlich
ganz anders bewerben. Wenn ich heute ein Demo einreiche, ist meine Position
nicht so exklusiv. Da konkurriere ich mit Milchreisbubis, die mehr Marketingpotenzial
haben als ich.
Der Platte
mangelt es an musikalischen Visionen: Teeniepop von jemandem, der nicht mehr
teenietauglich ist.
So
sehe ich das nicht. Ich habe nie Musik für eine bestimmte Altersgruppe
gemacht. Ich mache die Musik, die mir gefällt. Natürlich wäre
es schön, wenn ich mir einen Topproduzenten leisten könnte, der dann
so lange rumschraubt, bis es nach der letzten Madonna-Single klingt. Ist im
Moment aber nicht drin.
Apropos
drin: Wie wichtig ist Sex für dich?
Wahrscheinlich zu wichtig. Manchmal denke ich: Wenn ich einen weniger obsessiven
Sexualtrieb hätte, könnte ich heute mit meiner Karriere ganz woanders
sein. Rückblickend muss ich gestehen, dass mich bestimmte Abenteuer schon
davon abgehalten haben, dass zu tun, was karrierefördernd gewesen wäre.
(Tja, da sollte Laurent noch ein wenig an sich arbeiten und sich bei
Bedarf etwas zügeln.:-) Kleiner Praxistipp: Auf der Castingcouch beachte
man(n) folgende Reihenfolge: 1. heiß machen, 2. sich in Zurückhaltung
üben, bis 3. der Vertrag unterschreiben ist, und 4. dann erst zur Sache
gehen.)
Wo siehst
du dich in ein paar Jahren?
Ich
weiß nicht, ob es mittelfristig die Schauspielerei ist. Wird wohl länger
dauern, den Soapstempel loszuwerden. Musik wird mich in naher Zukunft wohl auch
nicht ernähren. Also verlege ich mich auf die Jobs hinter der Kamera wie
Regie, Drehbücherschreiben oder eben dem Entwerfen von Bühnenbildern.
(Quelle: Siegessäule, August 2002, Jackwerth Verlag, Berlin, S. 31)