Laurent
im Gegenpol-Stargeflüster
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2002 Gegenpol
Gegenpol, das SchwuLesbische Monatsmagazin aus Sachsen, traf Laurent anlässlich des Release von "In Progess" zu einem kurzem Gespräch. Dieses in der Ausgabe Nr. 81 vom November erschienene Interview wurde mir freundlicherweise von der Redaktion zum Abdruck zur Verfügung gestellt.
Gegenpol: Viele Stars von TV-Soaps versuchen sich mehr oder minder erfolgreich als Sänger. Nun bringst Du quasi im Eigenverlag eine CD heraus. Was unterscheidet Dich von den anderen singenden Soap-Sternchen.
Laurent:
Ich denke daß man in der Kategorie "singende Soap-Stars" selbst
schon sehr unterschiedliche Qualitätsstufen antreffen kann.
Natürlich gab und gibt es Soapschauspieler, die ohne eigene Ambition um
der schnellen Mark oder des schnellen Euro willen ins Rennen um Chartplazierungen
geschickt werden. Oli P. war zu Beginn seiner musikalischen Karriere zweifellos
so ein "ferngesteuerter" Act. Darüber hinaus gab es allerdings
auch zahlreiche "Versuchsballons" der Marke "Andreas Elsholz,
der singende Automechaniker", die zurecht schon vor dem Durchstoßen
der Wasseroberfläche einer kurzzeitigen Medienwahrnehmung in den Untiefen
des Business versanken. Dann wiederum gibt es Kollegen wie Jeanette, die zwar,
wenn Ihr mich fragt, eine unglaublich undisziplinierte Schauspielerin ist, die
aber schon vor ihrer Soap-Rolle musikalische Ambitionen gezeigt hat, hart an
ihrem Charterfolg arbeitet, und die, auch wenn das Produkt vielleicht sehr stromlinienförmig
ausfällt, das Recht hat, als Gesangskünstlerin akzeptiert zu werden.
Was mich, meiner Meinung nach, von all dem unterscheidet, ist die Tatsache daß
meine ersten musikalischen Schritte lange vor meinem Fernsehruhm stattgefunden
haben, daß vor meinem Eintritt in die Serie bereits eigene Songs und Demos
vorhanden waren, ja sogar Verhandlungen mit Plattenfirmen stattgefunden hatten,
und so die Soap natürlich eine ideale Präsentationsplattform, für
meine Musik darstellte, aber eben nicht den Ausgangspunkt.
Gegenpol: Die CD heißt "In Progress" - wohin entwickelt sich der GZSZ-Vorzeige-Schwule Laurent Daniels heute?
Laurent: Ich hoffe nicht, daß ich jemals der Vorzeige-Schwule war. Natürlich ist man sich, angesichts des Mißverhältnisses von positiven schwulen Identifikationsfiguren zu vergleichbaren heterosexuellen Rollen im Fernsehen einer Vorreiterrolle durchaus bewußt, ich möchte jedoch keineswegs nur in dieser Funktion, die für mich bestenfalls eine Episode in meiner Karriere war, wieder und wieder bestätigt sehen. Dafür ist die Herausforderung heterosexueller Rollen viel zu groß, und das Angebot an interessanten Schwulenrollen hingegen viel zu beschränkt. Ich erlebe zur Zeit, wie schwer es ist, sich über dieses Wahrnehmungsklischee in den Köpfen, denen der Caster und Produzenten im Land, aber auch den Köpfen einzelner Fans, hinwegzusetzen, und den bislang unentdeckten Laurent zur Wahrnehmung zu bringen. Ich hoffe daß das Album "In Progress" dazu vielleicht einen Beitrag leisten kann, denn immerhin präsentiert es mich ja als eigenständigen Songwriter, und geht, hoffentlich, über die Erwartungen, die bislang an mich gestellt wurden, hinaus.
Gegenpol: Als Künstler hast Du sicher auch ein Privatleben. Wohin geht der schwule Privatmensch Laurent Daniels aus und ist überhaupt noch Platz in DeinemTerminkalender für die Liebe?
Laurent:
Natürlich ist Platz für die Liebe! Wenn dem nicht so wäre, warum
sollte man alles andere auf sich nehmen?
Ich bin ja nun seit zwei Jahren glücklich liiert, und schöpfe aus
dieser Liebe auch sehr viel Kraft. Wenn ich mit meinem Freund ausgehe, dann
sehr gerne ins "Kino International", wo Biggi van Blond an den Turntables
steht, ins sogenannte "Steakhouse", besonders wenn Super-Zandy auflegt,
oder ins "Irrenhouse", Nina Queers Party im "Bastard".
Ganz besonders freue ich mich, daß es ab dem 15. September wieder Bob
Youngs legendäre Partys im "Cafe Moskau" gibt, wo es von jetzt
an, an Sonntagabenden wieder richtig rund gehen kann.
Quelle: Gegenpol Nr. 81, November 2002